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Beitrag von pfiffi am Fr Jan 31, 2014 8:25 pm

Alles zum Fall:

http://murderofmeredithkercher.com/

http://www.injusticeinperugia.com/
(alle Infos!)

http://themurderofmeredithkercher.com/Main_Page
(ein pro-guilt-Wiki, extrem parteiisch, m.E, nicht haltbar)


Zuletzt von pfiffi am Di März 04, 2014 2:36 am bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet

pfiffi

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Re: Ressourcen

Beitrag von pfiffi am Di März 04, 2014 1:08 am

So hier, mit Erlaubnis von Bruce Fisher, http://www.injusticeinperugia.com/ , meine Rohübersetzung der case summary.
In einigen Fällen habe ich aus stilistischen Gründen etwas frei übersetzt. Nirgends habe ich Beweise falsch dargestellt.
Verbesserungen erbeten!!!

Viel ist über den Fall geschrieben worden, der weltweit als „Fall Amanda Knox“ bekannt ist. Vieles davon basiert auf ungenauen Informationen, die unter der Hand zu 'Fakten' mutierten, und manches sogar auf regelrechten Lügen. Einige sagen, dieser Fall sei ein Mysterium, aber wenn Sie sich mit den realen Fakten vertraut machen, werden Sie sehen, das an ihm nichts Mysteriöses ist. Alle Beweise in diesem Fall weisen unstreitig auf Rudi Guede als Täter, ein Mann, der zugibt, während der Tat am Tatort gewesen zu sein, und der für dieses Verbrechen angeklagt und verurteilt wurde.

Das eigentliche Mysterium lautet: Warum versuchen die italienischen Behörden weiterhin, Amanda Knox und Raffaele Sollecito zu verurteilen, wenn sie den wahren Mörder längst ermittelt und verurteilt haben? Wenn Beweise gegen die Beiden kaum oder gar nicht existieren? Wir laden Sie ein, weiterzulesen, den Fall im Detail nachzuvollziehen, und dann zu entscheiden.

Das Opfer dieses tragischen Mordes ist Meredith Kercher, eine schöne, intelligente junge Frau, die aus Coulsdon, im Süden Londons, angereist war, um ein Jahr in Perugia, Italien, zu studieren. Sie hatte europäische Studien an der Universität von Leeds studiert und begann nun einen einjährigen Kurs in Moderner Geschichte, politischer Theorie und Geschichte des Kinos. Sie war eine schöne, lebhafte 21jährige, die irgendwann als Journalistin arbeiten wollte.

Meredith teilte sich in Perugia ein Haus mit drei anderen Frauen: Zwei Italienerinnen in den End20ern, Filomena Romanelli und Laura Mezzetti, sowie einer 20jährigen US-Amerikanerin, Amanda Knox. Das Haus liegt in einem Außenbezirk von Perugia und teilt sich in zwei Stockwerke, von denen das untere, abgetrennte von 4 jungen Männern bewohnt wurde, das obere von den besagten 4 Frauen.

Am 1. November 2007 wurde Meredith Kercher in ihrem Schlafzimmer brutal ermordet aufgefunden. Man fand sie fast nackt, mit Stichwunden in der Kehle. Die Stellen, an denen sie verwundet war, verursachten nicht nur Blutungen, ihr Blut wurde auch an Wände, den Fußboden und ihren Körper verspritzt. Es ist klar, dass jeder, der an dieser Tötung beteiligt war, es nicht vermeiden konnte, ebenfalls mit Merediths Blut in Kontakt zu kommen.

Dieses entsetzliche Verbrechen schockierte Perugia, eine Stadt, die wirtschaftlich nicht zuletzt von den tausenden fremder Studenten abhängig ist, die Jahr für Jahr dorthin kommen, um zu studieren. Bald berichteten die Medien erschreckende Details vom Mord an einer jungen, hübschen Austauschstudentin, und spekulierten, was dort wohl geschehen sein mag. Es gab massiven Druck auf die perugianische Polizei/Staatsanwaltschaft, diesen Fall schnell zu klären. Amanda Knox wurde den Ermittlern schnell verdächtig, überwiegend, wie die Ermittler später einräumten, weil ihr Verhalten den Ermittlern merkwürdig vor kam. Amanda war die erste Mitbewohnerin, die die Polizei antraf, als sie zum Tatort kam, und sie wurde deren erste Verdächtige.

In der Nacht zum 1. November 2007 waren sämtliche Bewohner des Hauses aushäusig – mit Ausnahme Meredith Kerchers, die die Nacht alleine im Haus zubringen wollte. Die vier jungen Männer im Erdgeschoß waren alle für ein verlängertes Wochenende unterwegs, die drei anderen Frauen, Filomena, Laura und Amanda, verbrachten die Nacht mit ihren jeweiligen Lebensgefährten ebenfalls woanders. Amanda Knox hatte ihren neuen Freund, Raffaele Sollecito, erst 6 Tage vorher kennen gelernt und wollte die Nacht mit ihm in seiner Wohnung verbringen.

Am nächsten Morgen ging Amanda nach Hause, um zu duschen und frische Kleidung anzuziehen, für den Tag war eine Sightseeingtour geplant. Als sie am Haus ankam, fand sie die Eingansgtür offen, dachte sich zunächst aber nichts dabei – die Tür schloß nicht korrekt, wenn man sie nicht mit einem Schlüssel zusperrte, und Amanda dachte, dass eine ihrer Mitbewohnerinnen vielleicht nur kurz mal ausgegangen war. So ging sie hinein, um zu duschen.

Im Bad bemerkte sie einige kleine Blutflecken im Bidet sowie auf der Badematte. Sie war nicht sonderlich beunruhigt, weil es sich um nur wenig Blut handelte, aber in Verbindung mit der offenen Haustür kam ihr das schon etwas merkwürdig vor. Nach dem Duschen ging sie in das andere Badezimmer, um sich zu föhnen. Sie bemerkte, dass die Toilette in diesem Badezimmer nicht gezogen war, was sie nun ziemlich ungewöhnlich fand. Sie bemerkte darüber hinaus, dass die Schlafzimmertür ihrer Hausgenossin Meredith Kercher abgechlossen war. Amanda entschied sich, zu Raffaele zurückzukehren und ihm zu sagen, was sie gesehen habe. Sie frug ihn, ob er zum Haus mitkäme, um der Sache auf den Grund zu gehen. Alas Amanda und Raffaele zu ihrem (Amandas) Haus zurückkehrten, bemerkten sie, dass das Fenster des Schlafzimmers der einen italienischen Hausgenossin (Filomena, Anm. d. Ü.) zerbrochen war. Amanda versuchte, Meredith auf deren Handy zu erreichen, aber Meredith hob nicht ab. Amanda war nun beunruhigt, rief erst Filomena an und bat Raffaele dann, die Polizei zu rufen.

Die Post-Polizei war die erste, die eintraf (in Italien gibt es eine spezielle Polizeiabteilung, die sich um Verbrechen kümmert, die mit Computern und Handys zu tun haben). Sie waren vor Ort, weil sie den Fall zweier Handys untersuchen wollten, die in einem Garten in der Nähe gefunden wurden. Die Carabinieri trafen, in Reaktion auf Raffaeles Anruf, kurz darauf ein. Die abgeschlossene Tür zu Merediths Schlafzimmer wurde gewaltsam geöffnet, und der leblose Körper Meredith Kerchers wurde aufgefunden. Es war sofort klar, dass sie ermordet worden sein muss.

Die Polizei sorgte sofort dafür, dass alle das Haus zu verlassen haben, und begann, den tatort zu untersuchen. Amanda und Raffaele sollten draußen bleiben und auf Anweisungen warten. Amanda war schockiert und aufgeregt darüber, dass ihre Freundin in deren eigenem Schlafzimmer emordet worden ist, direkt neben ihrem, Amandas, Schlafzimmer. Raffaele versuchte, Amanda zu beruhigen, und man sah sie, wie sich sich außerhalb des Hauses küssten. Die Polizei fand dieses Benehmen seltsam, und es wurde später als Indiz dafür gedeutet, dass die beiden in den Mordfall involviert sein könnten. Damit begann eine Serie von Fehldeutungen in Betreff des jungen Studentenpärchens und seines Verhaltens, die die Polizei veranlasste, die Beiden zu verdächtigen, auch dann, als Sachbeweise längst in eine andere Richtung führten.

Amanda wurde in den Tagen nach dem Mord wiederholt für viele Stunden verhört. Die Polizei hatte da die forensischen Sachbeweise noch nicht analysiert, war aber von einer Beteiligung der Beiden überzeugt, und zwar, wie es eine der Ermittler sagte, per Intuition, allein wegen deren Benehmen. Am Abend des 5. und in den frühen Morgenstunden des 6. November musste Amanda ein langes, aggressives Verhör über sich ergehen lassen, durch ca. 12 Polizisten, die sie in italienisch anschrien, eine Sprache, die sie gerade erst zu lernen angefangen hatte. Amanda berichtete später, dass ihr dabei wiederholt auf den Hinterkopf geschlagen und sie als dumme Lügnerin bezeichnet worden sei. Ihr sei gesagt worden, dass sie für 30 Jahre ins Gefängnis komme, wenn sie nicht erzähle, was sie, so sei gesagt worden, verberge. Ihr wurde gesagt, man habe Indizien, dass sie während des Mordes am Tatort gewesen sei, und ihre Erinnerung verdrängt haben müsse. Es wurde, so Amanda, ihr gesagt, dass sie ins Gefändnis komme und ihre Familie nie wiedersähe, wenn sie sich weigere, zu sagen, was passiert sei. Sie habe ihnen geantwortet, dass sie nicht wisse, was passiert sei, weil sie eben nicht dagewesen sei, aber man weigerte sich, ihr zu glauben.

In der Mordnacht wollte Amanda eigentlich in einer lokalen Bar arbeiten, aber gegen 8:30 Uhr erhielt sie eine SMS ihres Chefs, Patrick Lumumba, die besagte, dass sie nicht zu kommen brauche, weil die Bar recht leer sei. Amanda antwortete in ihrem Anfängeritalienisch: „Sicher. Seh Dich später, guetn Abend“ Auf englisch bedeutet „see you later“ schlicht „Auf Wiedersehen“, eine harmlose Floskel. Die Polizei verstand das wörtlich und warf Amanda vor, sich mit Lumumba für den späteren Abend verabredet zu haben. Sie ignorierten auch die Floskel „Guten Abend“ völlig, die schlicht „Gute Nacht“ bedeutet. Amanda hatte nicht vor, Lumumba in dieser Nacht zu treffen, und wenn die Polizei angemessen ermittelt hätte, wäre schnell klar gewesen, dass Lumumba ein eindeutiges Alibi hatte, da er den gesamten Abend in seiner Bar war. Stattdessen verlangte die Polizei von Amanda, ihnen zu sagen, wo sie mit Lumumbar war, und was mit meredith Kercher passiert sei. Laut Amanda hat sogar der Übersetzer, der lediglich übersetzen soll, ihr zu verstehen gegeben, dass sie möglicherweise die Erinnerung an das Geschehene verdränge. Nach all dem Druck und den Anklagen, angsterfüllt und ohne Schlaf, begann Amanda gegen 2 Uhr in der Frühe, selber zu glauben, dass sie vielleicht wirklich etwas verdränge.

An einer Stelle des Verhörs frug Amanda, ob sie einen Rechtsbeistand bekommen könne, ihr wurde geantwortet, ein Rechtsbeistand würde die Dinge nur schlimmer für sie machen. Angsterfüllt, aufgeregt, ganz alleine konfrontiert mit einer Menge italienischer Polizisten, fing sie an, zuzugeben, was die Ermittler von ihr verlangten. Sie beschrieb ihnen, was sich, in ihrer Vorstellung, zugetragen haben könnte, und zwar in Form eines Traums oder einer Vision. In dieser fiktiven Vision war sie in der Küche und hielt sich die Ohren zu, um die Schreie nicht hören zu müssen, während der Mann, für den sie arbeitete, Patrick Lumumba, den Mord verübte.

Amanda, Raffaele und Patrick wurden am 6. November frühmorgens wegen gemeinschaftlich begangenen Mordes an Meredith Kercher verhaftet. Bevor sie ins Gefängnis gebracht wurde, schrieb Knox, die immer noch keinen Rechtsbeistand  gesehen hatte, der Polizei einen Brief, in dem sie erklärte, was im Verhör vorgefallen ist (wobei klar ist, dass sie da selber nicht wirklich verstanden hat, was dort geschehen ist, und immer noch verwirrt war, für Tage noch).

Amanda schrieb: „Das ist sehr befremdlich, ich weiß, aber was passiert ist, ist für mich so verwirrend wie für jeden anderen. Mir wurde gesagt, es gäbe sichere Beweise, dass ich am Tatort war, als meine Freundin getötet wurde. Dies, das muss ich zugeben, ist etwas, was mir, wenn man mir so etwas vor einigen Tagen gesagt hätte, völlig unmöglich vorgekommen wäre.“ Sie schrieb, dass Erinnerungen und „Blitze verschwommener Bilder“ sich in ihren Vorstellungen vermischten: „Betreffs meines 'Geständnisses' letzte Nacht möchte ich klarstellen, dass ich den Wahrheitsgehalt meiner Aussagen bezweifeln muss, weil sie unter Schock, Stress und extremer Erschöpfung zustande kamen. Mir wurde nicht nur gesagt, ich würde verhaftet und würde für 30 Jahre im Gefängnis landen, mir wurde auch auf den Kopf geschlagen, wenn ich eine tatsache nicht richtig erinnerte.“

Es sollte beachtet werden, dass das Verhör mit Amanda Knox nicht als Beweis gegen sie zugelassen wurde, weil sie als Verdächtige Anspruch auf einen Rechtsbeistand gehabt hätte.

Nach der Verhaftung der drei Verdächtigen gab die Polizei eine Pressekonferenz, in der festgestellt wurde, dass alle drei Meredith umgebracht hätten, weil sie sich weigerte, an einem Sexspiel teilzunehmen. Sie behaupteten, ihr Fall sei belastbar. Sie waren sich so sicher, dass sie „Case closed“ (Fall abgeschlossen) verkündeten.

Das Problem war nur, dass sie noch gar nicht begonnen hatten, die forensischen Beweise zu untersuchen. Und als die Untersuchung der Sachbeweise begann, bekam die Polizei ein Problem. Es wurden substanzielle Beweise gefunden dafür, dass sich ein vierter Verdächtiger am Tatort aufgehalten haben muss, Rudi Guede, während es keinerlei Belege für die Anwesenheit Amandas, Raffaeles oder Patricks gab. Guede hinterließ einen Handabdruck in Merediths Blut, in dem Raum, in dem sie umgebracht worden war. Seine DNA wurde auf und auch in Meredith gefunden. Auf Meredith'  Geldbörse hinterließ er ebenfalls DNA. Und auch die Fäkalien auf der Toilette stammten, wie ein DNA-Test bewies, von ihm.

Es gab ein weiteres Problem: Patrick Lumumba hatte ein hieb- und stichfestes Alibi. Es gab Zeugen, die bestätigten, dass er den ganzen Abend mit ihnen in seiner Bar zugebracht hatte. Er wurde entlassen.

Guede war nach Deutschland geflohen und wurde nach Italien ausgeliefert. Die Beweise gegen ihn waren erdrückend. Er hatte im Lauf seiner Verbrecherkarriere sogar schon Einbrüche nach derselben Methode begangen, die auch hier verwandt worden war: Mit einem Stein ein Fenster einwerfen und dann durch das zerbrochene Fenster eindringen.

Zu diesem Zeitpunkt hätten die Ermittler, geleitet von Staatsanwalt Mingini, ihren Fehler erkennen müssen. Kein aus dem Ruder gelaufenes Sexspiel. Rudi Guede hat Meredith Kercher angegriffen und umgebracht.

Aber die Ermittler, die mit so viel medialem Lärm voreilig ihren Erfolg verkündet hatten, weigerten sich, ihren Fehler einzuräumen. Sie entfernten einfach Patrick Lumumba aus ihrem Fantasieprodukt und ersetzten ihn durch Rudi Guede. Die Staatsanwaltschaft forcierte nunmehr die Variante, dass das „verbesserte“ Trio Meredith Kercher bei einem aus dem Ruder gelaufenen Sexspiel getötet habe.

Die Medien waren wie im Rausch. Sie fokussierten sich auf Amanda Knox, die sie als sexgeile Mörderin schilderten. Ihr myspace-Nick „Foxy Knoxy“ („wilde/verrückte Knox“) wurde wurde mit ihrem Sexualleben in Verbindung gebracht. In Wahrheit war das ihr Spitzname, als sie in ihrer Kindheit als Fussballspielerin als kampfstarke Verteidigerin agierte. Die Staatsanwaltschaft versorgte die Presse mit Stories, um Amandas Charkter ins Zwielicht zu rücken. Ein Bild wurde lanciert, auf dem Amanda und Raffaele sich vorm Tatort küssen, daraus wurde die Story gesponnen, dass die Beiden eher daran interessiert waren, herumzuturteln, als an Merediths Tod zu denken (die Küsse waren kleine Küßchen). In Wahrheit war Amanda einfach nur entsetzt, und Raffaele tröstete sie.

Als Amanda und Raffaele im Gefängnis einsaßen, publizierten die Medien immer mehr lüsterne Stories über sie, in denen sie zwei von Sex und Drogen besessene Verrückte zeigten. Alles, was sie getan hatten, egal, wie unschuldig und alltäglich es auch gewesen war, wurde als verrückt und bösartig dargestellt. Zum Beispiel wurden Amanda und Raffaele dabei gesehen, wie sie gewöhnliche Unterwäsche in einem gewöhnlichen Bekleidungsgeschäft in Perugia einkauften. Die Story, die daraus gemacht wurde, war diese: Sie hätten in einem Sexshop Reizunterwäsche gekauft und dabei Gespräche über vehementen Sex geführt. In Wahrheit konnte Amanda ja nicht in ihre Wohnung, weil es sich um einen Tatort handelte, und brauchte schlicht neue Kleidung.

Die Staatsanwaltschaft lancierte auch Nachrichten, Amanda hätte auf der Polizeistation Rad geschlagen. Dies sollte belegen, wie instabil und herzlos sie doch sei. Die Wahrheit ist, dass sie stundenlang auf der Polizeistation wartete, während Raffaele verhört wurde. Die ganze Situation war sehr bedrückend und stressig für eine 20jährige Studentin, und so machte sie ein paar Yoga-Übungen, während sie wartete, um mit ihrem Stress besser klar zu kommen. Die Polizei beschrieb dies gegenüber der Presse als „Rad schlagen“, und die Geschichte von der verrückten Mörderin Amanda Knox füllte am nächsten tag weltweit die Titelseiten. Wer wäre so durchgeknallt, auf einer Polizeistation Rad zu schlagen? Wir wissen es nicht; es war einfach nicht wahr.

Amandas und Raffaeles Familien kamen nach Perugia und besorgten ihnen Anwälte, aber das Kind war bereits im Brunnen. Die öffentliche Meinung hatte sich, von Staatsanwaltschaft und den Medien befeuert, bereits festgelegt.

Rudi Guede wählte ein verkürztes Verfahren und wurde des Mordes an Meredith Kercher schuldig gesprochen. Er erhielt 30 Jahre Gefängnis. Später wurde der Schuldspruch im Berufungsverfahren bestätigt, seine Strafe jedoch auf 16 Jahre reduziert.

Obwohl es bei Beiden keinerlei gewalttätige Vorgeschichte gab, wurden Amanda und Raffaele ein möglicher Hausarrest verweigert und Untersuchungshaft angeordnet. Richter Claudia Matteini verweigerte Amanda Knox den Hausarrest mit der Begründung, Amanda habe keine Reue gezeigt! Warum sollte Amanda Reue zeigen für ein Verbrechen, das sie nicht beging? Richter Matteini schrieb: „In einer solchen Situation ist die Wiederholungsgefahr extrem wahrscheinlich, und es kann nicht davon ausgegangen werden, dass sie sich bloß deswegen verringert hat, weil jetzt einige Zeit verstrichen ist, zumal Sie, wie erinnerlich, in dieser Zeit nicht zur Besinnung gekommen sind oder Reue gezeigt haben“ Man beachte: Der Prozess, in dem sie sich verteidigen sollte, hatte noch nicht einmal begonnen. Aber dieser Untersuchungsrichter erwartete Reue. Das ist ein weiterer Beleg dafür, dass ihre Schuld von Beginn an feststand.

Nachdem sie über ein Jahr im Gefängnis verbracht hatten, begann der Prozess gegen Amanda und Raffaele am 16. Januar 2009. In den Medien war in diesem Jahr alles über Amanda zu lesen. Die Medien hatten sie lange vor Prozessbeginn schuldig gesprochen. Den Geschworenen, das ist in Italien Standard, war es jederzeit erlaubt (auch während des Prozesses selber), die Medien zu frequentieren und den Fall mit den Juristen oder mit wem auch immer zu diskutieren. Die Medien fuhren fort, bizarre, erfundene Stories über Amanda zu verbreiten. Raffaele war die arme Sau, die von der durchtriebenen Amanda in den Mord hinein gezogen wurde.

Viele Leute glauben, dass die Geschworenen ihre Entscheidung bereits getroffen hatten, bevor der Prozess auch nur begann. Der Staatsanwalt Giuliano Mignini ist in Italien sehr einflussreich und bestimmte den Prozess von Anfang bis Ende. Man erlaubte ihn, diesen Prozess zu führen, obwohl er zur gleichen Zeit wegen Amtsmißbrauch angeklagt war. (Anmerkung des Übersetzers: Mignini ist inzwischen rechtskräftig wegen Amtsmissbrauch verurteilt.)

Es gab nur wenig glaubwürdiges Material (Anmerkung des Übersetzers: Es gab gar keines!) gegen Amanda und Raffaele, und kein Motiv. Und so musste Mignini außergewöhnliche Theorien erfinden, um das Mindeste zu sagen. Mignini präsentierte im Gerichtssaal wilde Theorien über ein Sexspiel, das aus dem Ruder lief. Er präsentierte keinerlei Belege, die seine Behauptungen stützen hätten können. Er präsentierte den Geschworenen sogar wiederholt eine Animation, die zeigte, wie Amanda Knox Meredith Kercher stach, während Rudi Guede und Raffaele Sollecito sie (Kercher) über ihren Knieen festhielten. Er wollte die Geschworenen glauben machen, dass alle drei Merdeith Kercher in ihrem kleinen Schlafzimmer angriffen, obwohl es lediglich bei Rudy Blut auf seiner Kleidung gab, und lediglich Rudy Fingerabdrücke und Fußspuren im Schlafzimmer hinterließ.

Da es kaum (Anmerkung des Übersetzers: gar keine) weiteren Belege gab dafür, dass Amanda und Raffaele auch nur am Tatort waren, als der Mord geschah, mussten fehlerhafte DNA-Tests dafür herhalten, die Beiden mit der Tat zu verknüpfen. Die Forensiker und andere „Experten“, die für die italienische Polizei tätig  sind, bezeugten zu Gunsten der Anklage, während „Experten“, die für die Verteidigung arbeiteten, dar taten, dass die Art, in der die DNA eingesamelt wurde, fehlerbehaftet sei, mit Methoden, die nicht zuverlässig seien und die der Kontamination Tür und Tor öffneten. Da die „Experten“ nicht übereinstimmten, stellte die Verteidigung den Antrag, die DNA-Beweise unabhängig untersuchen zu lassen. Dies wurde vom Richter zurückgewiesen. Er sagte, es lägen genug Expertisen vor um zu entscheiden.  

Die Verteidigung arbeitete vorzüglich, als es galt, die sehr beschränkten Arguente der Anklage zurück zu weisen, aber es scheint, dass die Geschworenen ihre Entscheidung längst getroffen hatten. Bei verschiedenen Gelegenheiten musste die Verteidigung das Gericht um eine Pause bitten, weil diverse Geschworene schlicht eingeschlafen zu sein schienen. Der Richter selber wurde dabei beobachtet, Telefonate entgegen zu nehmen, während die Verteidigung ihre Beweise präsentierte. Amanda und Raffaele wurden als schuldig angesehen lang bevor der Prozess begann.

Am 4. Dezember 2009, der finale Akt dieser schlimmen Ungerechtigkeit, wurden Amanda Knox und Raffaele Sollecito wegen Mordes an Meredith Kercher verurteilt. Sie erhielten 25 Jahre (Raffaele) und 26 Jahre (Amanda) Gefängnis. (Amanda erhielt ein extra Jahr wegen Falschbeschuldigung Patrick Lumumbas.)

In Italien müssen Gerichte, wie in Deutschland (hinzugefügt vom Übersetzer),  eine Urteilsbegründung abliefern. Der Richter, Dr. Giancarlo Massei, gab sie am 4. März 2010 ab.

Der Stand der Dinge war nun der, dass ein ordnunsgemäßes Gericht Amanda und Raffaele verurteilt hatte, was viele Leute veranlasste, zu glauben, sie müssten wohl schuldig sein. Aber die Urteilsbegründung, inzwischen ins englische übersetzt, war ein erstaunliches Dokument, angefüllt mit Mutmaßungen und Spekulationen, anstatt Beweise anzuführen, die ihre Schuld jenseits noch möglicher Zweifel bestätigen (wie es auch in Italien, nicht anders als in den USA, England und Deutschland, erforderlich wäre).  Der Richter befürwortete die Version der Anklage regelmäßig, und wies die Version der verteisgung zurück, selbst da, wo die Version der Verteidigung sinnvoller war und durch Sachverständige gestützt wurde. Die Urteilsbegründung Masseis ist voll von Dingen, die Amandas und Raffaeles Schuld belegen sollen, da sie „möglich, und also wahrscheinlich“ (probable = mutmaßlich, vermutlich, wahrscheinlich) seien. Die Begründung sagt, der Mord sei nicht vorsätzlich, und ein Motiv sei nicht erkennbar (Staatsanwalt Mignini wechselte das Motiv während des Prozesses mehrmals, vom aus dem Ruder gelaufenen Sexspiel über Streit um die Haushaltsführung hin zu „Motiv unklar“). Ein Beispiel dafür, wie in der Urteilsbegründung gedacht wurde, ist die angebotene Erklärung dafür, wie ein langes Küchenmesser, welches in Raffaeles Appartment gefunden wurde, wohl im Haus von Knox gelandet sein könnte. Richter Masei schlussfolgerte, dass Raffaele es wohl Amanda mitgegeben haben muss, damit sie es zum Eigenschutz in ihrer Tragetasche (Einkaufstasche?) mit sich herumführt. Das war ein sehr großes Küchenmesser, geeignet dafür, Brot oder Fleisch zu schneiden. Wer hörte je von einer jungen Frau, die ein solches Messer in ihrer Tragetasche mitführte? Sollte das Messer nicht von jemandem gesehen worden sein? Und sollte es nicht Schnittspuren hinterlassen haben, in ihrer Tasche oder auf den anderen Dingen, die sich dort befanden? Das sollte so sein, es sei denn, das Messer wurde nie mit genommen...aber niemals wurden Beweise dafür vor Gericht angeführt. Der Richter hatte keinen Ansatz, keinen Beweis, der mit dem Belegmaterial in Einklang zu bringen war – und so erfand er einfach einen. Es scheint, dass sich der Gerichtshof festgelegt hatte, bevor der Prozess überhaupt begann. Sie wussten, dass Amanda und Raffaele schuldig sind - sie mussten es nicht beweisen.

Zu diesem Zeitpunkt waren Amanda und Raffaele 3 Jahre in Haft – zwei unschuldige, junge Studenten, die ihre Zeit mit wirklichen Killern, Vergewaltigern und anderen gewalttätigen Kriminellen verbracht haben. Dier einzige gute Nachricht war die, dass es in Italien eine gleichsam automatische Revision gibt, die sich alle Beweise noch einmal anschaut und das Urteil entweder bestätigt oder zurückweist. Am 24. November begann die Berufungsverhandlung in Perugia unter dem Vorsitz von Richter Claudio Pratillo Hellmann.

Bei Beginn der Berufung gab es ein bisschen Hoffnung für Amanda und Raffaele: Einer der Richter erklärte im Gerichtssaal: „Das einzige, was wir sicher wissen, ist, dass Meredith Kercher tot ist“ Das schien zu signalisieren, dass dieser Gerichtshof den ganzen Fall wirklich noch einmal ergebnisoffen untersuchen würde.

Zusätzlich dazu, alle bisherigen Beweisführungen und Zeugenaussagen aus dem vorigen Prozess noch einmal zu untersuchen, entschied Richter Hellmann, dem Antrag der Verteidigung zu entsprechen und zwei wichtige DNA-Spuren neu zu untersuchen: Naämlich zwei umstrittene DNA-Spuen, die laut Anklage Amanda und Raffaele mit dem Verbrechen in Verbindung bringen sollten. Diese Spuren kamen von einem großen Küchenmesser, das in Raffaeles Appartment gefunden wurde, und vom abgebrochenen Verschluß von Merediths Büstenhalter, von dem behauptet wurde, er habe Raffaeles DNA enthalten. (Man besuche unsere Seiten, um mehr zu erfahren über das Messer, den Büstenhalterverschluß und andere Beweise)

Carla Vecchiotti und Stefano Conti, Uni  Rom, wurden vom Richter benannt, um eine unabhängige Untersuchung dieser Beweise durchzuführen – Beweise, die (wie die meisten Beweise, die präsentiert wurden) schon vorher vom Verteidigerteam und auch von unabhängigen Beobachtern hinterfragt wurden.

Am 29. Juni 2011 präsentierten die unabhängigen, vom Richter benannten Experten ihren Bericht. Die Schlussfolgerungen, die die Experten Conti und Vecchiotti trafen, stellten den Forensikern der italienischen Polizei ein vernichtendes Zeugnis aus, dies betraf speziell die Methoden, die die leitende Forensikerin der Staatsanwalt, Dr. Patrizia Stefanoni, entwickelt hatte. Kurz gesagt: Conti und Vecchiotti schlußfolgerten, dass die beiden DNA-Beweisstücke vollkommen unzuverlässig seien und mit ziemlicher Sicherheit kontaminiert.

Das Berufungsgericht entschied auch, den Zeugen Antonio Curatolo noch einmal zu hören. Jenen drogensüchtigen Kleindealer, der ausgesagt hatte, Amanda und Raffaele in der Nacht des Mordes nahe am Tatort, dem Häuschen, gesehen zu haben. Curatolo, der vom gefängnis in den Gerichtssaal gebracht wurde (inzwischen ist er entlassen) machte widersprüchliche Angaben, schien nicht zu wissen, warum er im Gefängnis saß, wirkte konfus und wurde von den Geschworenen endgültig als Zeuge abgelehnt.

Am letzten Tag des Verfahrens sprachen Amanda und Raffaele leidenschaftliche Schlußworte an das Gericht, in der beide ihre Unschuld beteuerten. Raffaele wandte sich an Gericht und Geschworene, und bekannte, er und Amanda seien unschuldig. Und zog dramatisch sein Armband ab, dass er vier Jahre trug und auf dem „Befreit Amanda und Raffaele“ stand. Er sagte ihnen, es sei Zeit, Schluß zu machen, da es Zeit sei, nach Hause zu gehen.

Dann kam Amanda. Sie unterbrach sich mehrfach, um zu Atem zu kommen und die Tränen zurück zu halten. Sie sprach die Geschworenen in einem gut gefüllten Gerichtssaal auf italienisch an, welches sie inzwischen gut beherrschte. Sie erklärte den Geschworenen klar und deutlich, dass sie ihre WG-Mitbewohnerin Meredith Kercher nicht getötet habe. Amanda erklärte dem Gericht: „Und wenn ich in jener Nacht zu Hause gewesen wäre, wäre ich genau so tot wie sie. Der einzige Unterschied: ich war nicht dort. Ich war bei Raffaele, bei ihm daheim.“

Sie fuhr fort, um zu erklären, was in der Nacht ihres Verhörs passiert ist, und wie sie so endete, dass sie behauptete, sie sei in der Nacht mit Patrick Lumumba im Haus gewesen. „Ich hatte das Gefühl, den Autoritäten verpflichtet zu sein, denen ich vertraute, weil sie ja den Schuldigen ermitteln und uns beschützen sollen. Ich vertraute ihnen blind, zur Gänze, vollständig, absolut. Als ich mich näher und eindringlicher  mit dem befasste, was in jenen Tagen geschah, wurde mir klar, dass ich betrogen wurde, vom 5. November an. Ich war nicht nur unter Stress. Ich wurde manipuliert.“

Dann erklärte Amanda dem Gericht mit dramatischer Geste: „Ich habe das, was mir unterstellt wird, nicht getan. Ich habe nicht getötet, nicht vergewaltigt, nicht gestohlen – ich war nicht da!“...“Ich möchte nach Hause gehen. Ich möchte in mein Leben zurück, ich will nicht bestraft werden, mein bisheriges Leben verlieren, für etwas, das ich nicht getan habe. Ich bin unschuldig!“

Später am Tag verlas Richter Hellmann das Urteil. In deutlichen Worten wurden beide freigesprochen und sofort auf freien Fuß gesetzt. In seiner Urteilsbegründung machte Richter Hellmann klar, dass keinerlei Beweise gegen die Beiden sprächen und dass alle Schlüsselbeweise gegen die beiden unzuverlässig seien. Er warf der ersten Instanz auch vor, unzulässige Beweisstandards gegen die Zwei in Anschlag gebracht zu haben, indem sie (die erste Instanz) wiederholt den Begriff „wahrscheinlich“ verwendete, um zu beschreiben, was im Tatkonstrukt der ersten Instanz wohl geschehen sein mag. Nach Richter Hellmann ist „wahrscheinlich“ nicht jenseits aller Zweifel, und die meisten der „Wahrscheinlichkeiten“ waren es hier mitnichten.
Amanda kehrte nach Seattle zurück, zu ihrer Familie und ihren Freunden, und Raffaele nach Bari, Süditalien. Es waren vier lange Jahre, aber zu guter Letzt waren sie frei...

Im italienischen Rechtssystem gibt es eine dritte Instanz, den Kassationsgerichtshof (Italiens oberstes Gericht), welche das Urteil der zweiten Instanz entweder bestätigt oder zurückweist und den Fall erneut der Instanz zur Prüfung übergibt, die die Revision verhandelt hat. Amanda und Raffaele warteten über ein Jahr, bis das oberste Gericht entschied. Am 26. März 2013 verkündete das oberste Gericht seine Etscheidung: Amanda Knox und Raffaele Sollecito müssten sich erneut für den Mord an Meredith Kercher verantworten. Das dritte Verfahren begann am 26. September 2013 in Florenz, Italien. Die traurige Wahrheit ist die, dass sich die italienische Justiz auch nach 6 Jahren weigerte, das Offenkundige zu sehen. Inzwischen wurden die Beiden am 30. Januar ein weiteres Mal verurteilt. Natürlich haben beide Revision eingelegt.

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