Der Fall als solcher

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Re: Der Fall als solcher

Beitrag von pfiffi am Mo Sep 16, 2013 8:49 am

Die, ich nenne sie jetzt mal so, "Pro-McCann-Fraktion" fokussiert sich auf ein geöffnetes Fenster.

welt.de/vermischtes/article13606826/Die-Nacht-in-der-Madeleine-McCann-verschwand.html



Siehe auch Pat Brown. Man muss Pat Brown, die sehr gut weiß, wo die nächste TV-Kamera steht, nicht kritiklos unterstützen. Aber man sollte unvoreingenommen lesen, was sie zu sagen hat:

algarve123.com/de/Artikel/2-1520/Kriminalfall-Analytikerin_untersucht_McCann_Geheimnis

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Re: Der Fall als solcher

Beitrag von Aberdeen am Mo Sep 16, 2013 8:58 am

Den Pat Brown-Artikel habe ich schon gelesen - aber da steht gar nichts drinne ;-)

Soweit ich das mit den Örtlichkeiten richtig verstanden habe, brauchte es aber doch gar kein geöffnetes Fenster? War die Tapas-Bar wirklich direkt gegenüber vom Apartment? Dazu habe ich bislang unterschiedliches gelesen ...

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Re: Der Fall als solcher

Beitrag von pfiffi am Mo Sep 16, 2013 9:02 am

Mit ner leichten Abknickung. Ja. War so n ferienkomplex.

Im Pat-Brown-Artikel steht, dass man das Fenster nicht von außen öffnen konnte. Kann na klar wie folgt gewesen sein: Entführer kommt über (unstreitig unverschlossene) Tür rein, geht mit Kind über Fenster (von innen geöffnet) auf die Strasse raus.

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Re: Der Fall als solcher

Beitrag von Aberdeen am Mo Sep 16, 2013 9:11 am

So oder so: eine verrückte Geschichte! Bei einer Vertuschungs-Aktion wäre das wohl der Hoax-des-Jahrhunderts bei einer Entführung mega-kaltblütig!

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Re: Der Fall als solcher

Beitrag von pfiffi am Mo Sep 16, 2013 10:38 am

Das Interessante an diesem Fall (wenn man es so cynisch ausdrücken darf): Beide nächstliegenden Lösungen (wo Pat Brown Recht hat, hat sie Recht) erfordern gewisse Unplausibilitäten.

Entweder müssen die Tapas-Seven irgendwie, zumindest vorbewusst, kooperiert/abgenickt haben. Oder ein Kindesentführer tuts im Appartment einer Ferienanlage in einem nicht unbelebten Tourismusgebiet, statt (Brown ist hier zuzustimmen) wie gewöhnlich in einer sozial schwachen Gegend mit relativ unbeaufsichtigten Kindern.

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Re: Der Fall als solcher

Beitrag von Aberdeen am Mo Sep 16, 2013 10:47 am

Hält das mit den sozial schwachen nicht nur bei der Vermutung "Sex-Ring"? Die ich für völlig unwahrscheinlich halte ... Viel wahrscheinlicher ist doch bei einer Entführung ein Einzeltäter ... Ich will jetzt keine haltlosen Verdächtigungen aussprechen, aber der "Maskenmann"-Fall liefert auch viel allgemeingültiges ... Aus meiner Sicht sucht die portugiesische Polizei einen Mann mittleren Alters, mit Bezug zum Ferien-Ressort, der im Umgang mit Kindern diesen Alters geübt ist. Er muss/wird Eigentum in Tatortnähe besitzen, wo er wahrscheinlich die Leiche verschwinden lassen konnte. Er lebt also wahrscheinlich alleine, muss aber andererseits auch über eine gewisse soziale Gewandheit verfügen, damit er nicht sofort auffällt. Wahrscheinlich vorbestraft oder sogar Haftstrafe. Das Problem "Pädophilie" besteht seit längerem oder der Täter ist durch irgendetwas aus dem Gleichgewicht geraten, dass er so ein Risiko eingeht? Es kann aber natürlich auch sein, dass die Versuchung (freier Zugang zur Wohnung, abwesende, betrunkene Eltern) einfach so groß war. Blosse Spekulationen, ich weiß, aber mir geht es darum, dass es nicht einen Sex-Ring braucht, um die Tat zu erklären ;-))

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Re: Der Fall als solcher

Beitrag von pfiffi am Mo Sep 16, 2013 11:02 am

Mißverständnis. Ich halte "Sex-Ring" auch für unwahrscheinlich; die berühmten Kinderpornoringe sind bis heute so nicht nachgewiesen. (Es gibt eine Pädo-Szene, klar.) Ich meinte: Abgreifen eines Kindes findet meistens in risikoärmeren Situationen  statt. Was den bereits andiskutierten Fall "Maskenmann Schullandheime" betrifft: Der Täter ging zweifellos hohes Risiko. Aber bei nochmaliger Betrachtung muss ich sagen: Dieser Täter, wenn es ihn gab, ging ein noch viel höheres! Die Schullandheime waren abgeschieden, auch das Elternhaus, welches Martin N.* heimsuchte, war jetzt nicht gerade Bremen-Innenstadt.

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Re: Der Fall als solcher

Beitrag von Aberdeen am Mo Sep 16, 2013 5:33 pm

Soweit ich weiß, ging der "Maskenmann" phasenweise auch sehr hohe Risiken ein; etwa in den Zeltlagern und einmal ist er sogar von einer Lehrerin gesehen worden, wie er gerade mit einem Schüler die Lokalität verlassen wollte.
Ich kenne jetzt natürlich diese spezielle Ferienanlage nicht, aber aus meiner Sicht können die schon mal ganz schön "wuselig" sein. Relativ viele, unbekannte Menschen, die auch spät noch unterwegs sind. Da fällt man auch nicht sofort auf. Die Gäste denken dann, es handele sich um einen Mitarbeiter des "Staff", den sie noch nicht kennen. Die Mitglieder des "Staff" denken, es handele sich um einen Gast, den sie noch nicht kennen. Die Aussage der Bekannten der Mccanns geht ja auch in die Richtung. Sie dachte, es handele sich bei dem Mann, der das Kind trug, einfach um jemanden, der sein Kind aus der Kindergrippe abholt ... Wo Du recht hast ist, dass der Täter, aus welchen Gründen auch immer, über genug Selbstbewußtsein verfügt haben muss und sich nicht hat einschüchtern lassen ...

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Re: Der Fall als solcher

Beitrag von pfiffi am Mo Sep 16, 2013 8:05 pm

Stimmt natürlich alles.

Und spontan, nach Unfalltod, so n Ding durchziehen? Das wäre wirklich der Hammer schlechthin - wobei mich meine Beschäftigung mit true crimes gelehrt hat: Es gibt da wirklich nichts, was es nicht gibt...

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Re: Der Fall als solcher

Beitrag von Aberdeen am Di Sep 17, 2013 7:52 am

Das stimmt natürlich. Und in Ostdeutschland gab es ja tatsächlich den Fall, dass eine Mutter(?) rechtsextreme Täter beschuldigte, um von der eigenen Verantwortlichkeit abzulenken.
So etwas aber als Paar (so lange) durchzuziehen, würde schon eine besondere Beziehungsdynamik erfordern. Ich fand in diesem Zusammenahng auch gut, was Du über die tapas-seven geschrieben hattest: kurzfristig könnte man Freunde/Bekannte wahrscheinlich mit reinziehen. So im ersten Schock oder so ... aber langfristig? Ist das glaubhaft?

Der massive Einsatz der Medien ist natürlich schon befremdlich, aber hierzu weiß ich so wenig über die beiden, um da irgendwie eine Vermutzung hinzubekommen. Möglicherweise hat das auch eine Eigendynamik entwickelt, durch die die beiden selbst überrollt worden sind ...? Aber vielleicht zu simpel ....

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Re: Der Fall als solcher

Beitrag von pfiffi am Di Sep 17, 2013 10:28 am

Aberdeen schrieb:Möglicherweise hat das auch eine Eigendynamik entwickelt, durch die die beiden selbst überrollt worden sind ...? Aber vielleicht zu simpel...
Nein, finde ich nicht zu simpel. Und es würde, nachdem der Fall eine solche Eigendynamik entfaltet hat, ggfls - unterstellt, die Unfall/vertuschungsthese stimmte - auch erklären, dass alle Involvierten bis heute dicht halten (David Berckham, Harry-Potter-Autorin Rowlings, Papst etcetc - das ist schon deftig!). Was auffällt: Die britischen medien wurden wohl noch in der nacht informiert!!! Was das bedeuten kann, vermag ich allerdings nicht zu sagen.

Interessant ist auch der Komplex "Beruhigungsmittel", die vom Ärztepaar dem sehr lebhaften Mädchen verabfolgt worden sein sollen. Die McCanns sprechen heute von Paracetamol, einem Schmerzmittel, in Kinderdosierung. Ständig Para?

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Re: Der Fall als solcher

Beitrag von Aberdeen am Di Sep 17, 2013 10:35 am

Wofür oder wogegen das Paracetamol, wäre da noch zu fragen ...

Die Audienz beim Papst nicht zu vergessen ... egal, was man davon so hält, so etwas erzeugt schon weltweite Aufmerksamkeit ... Ich muss noch mehr über die McCanns lesen ...

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Re: Der Fall als solcher

Beitrag von pfiffi am Di Sep 17, 2013 10:46 am

Die Audienz beim Papst nicht zu vergessen
Richtig, es war sogar eine Audienz.

Weitere merkwürdigkeiten: Sehr schnell wurde ein PR-Berater engagiert, die britische Regierung unterstützte die McCanns, was dann in Portugal wohl nicht so gut ankam... Hier wäre dann Amarals Wut über die McCanns erklärbar, denn der portugiesischen Polizei wurde relativ unverholen Inkompetenz unterstellt.

zu den hard facts: Bei der Suche nach Madelaine ist im Appartement herumgetappt worden wie Bolle. Stichwort Spurenvernichtung. Wann wurden die Spuren gesichert, was fand man, woher kommt die These der portugiesischen Polizei, man habe keine Einbruchsspuren festgestellt, was hat es mit dem geöffneten Fenster auf sich.


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Re: Der Fall als solcher

Beitrag von pfiffi am Di Sep 17, 2013 12:56 pm

habe gerade den Film mit Amarals Version gesehen (siehe unter "Ressourcen"). Speziell seine Beweisführung zum Fenster (ab ca Min 44) ist schon verführerisch plausibel.

Sollten die tapas-Seven (oder einige von ihnen, alle sind gar nicht nötig) beim cover-up mitgemacht haben, wären sie angesichts der unglaublichen Medienpräsenz des Falls vielleicht doch genau so stark wie die McCanns selber gezwungen, auf dem einmal eingeschlagenen Weg zu bleiben?

Offene Fragen allerorten.

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Re: Der Fall als solcher

Beitrag von pfiffi am Di Sep 17, 2013 6:48 pm

http://www.youtube.com/watch?v=yJSCNtV3Ibs

etwa bei Minute drei: Sehr wichtige, gute Beobachtung der beiden portugiesischen Forensiker: Wenn es so war, wie die Tapas-Seven und die MaCanns behaupten - ständige Kontrollgänge, insgesamt 14mal, bis zum Alarm -, hätte dieses ständige Kommen und Gehen einen Entführer abschrecken müssen.

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Re: Der Fall als solcher

Beitrag von pfiffi am Di Sep 17, 2013 7:08 pm

http://youtu.be/VIUCGArXQ8Y

die ständigen Checks durch die tapas-Gruppe scheinen nicht belegt zu sein. Minute 6

Das würde zweierlei bedeuten (mit ggfls sogar unterschiedlicher Stoßrichtung des Indizes):
a) Ein Entführer hätte doch Zeit und Gelegenheit gehabt
b) die tapas-Seven lügen - warum? Weil sie ansonsten der Vernachlässigung beschuldigt werden?

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Re: Der Fall als solcher

Beitrag von Aberdeen am Di Sep 17, 2013 10:42 pm

Konsequent und alle 30 Minuten bei den von Dir geposteten Mengen Alkohol? Weiß ich nicht, ob sich da nicht doch jemand mal in angeregter Runde festgequatscht hat und die Intervalle vielleicht doch nicht so eingehalten wurden. Ich glaube, hier war von Anfang an hoher Rechtfertigungsdruck auf alle Beteiligten Eltern vorhanden. Um es mal sehr klar und hart zu formulieren: natürlich lässt man seine kleinen Kinder in einer fremden Umgebung nicht alleine. Denn auch eine halbe Stunde nächtliches Erwachen in einem fremden Hotelzimmer ist für ein kleines Kind alles andere als schön. Bitte nicht mißverstehen, ich will hier gar nicht den moralischen raushängen lassen, aber natürlich hätte sich einer von den Neun für die Kinderbetreuung opfern müssen.

Man würde doch wahrscheinlich auch in seiner vertrauten Umgebung, in der man das Risiko abschätzen kann, des Nachts im Ergeschoß die Wohnung nicht offenstehen lassen und Pizza essen gehen? Hier kommt hinzu, dass für die Eltern das Risiko gar nicht abschätzbar war, da sie die Umgebung nicht kannten. Möglicherweise haben die sich durch die Urlaubsstimmung anstecken lassen; das macht ja viele leichtsinnig.

Apropos leichtsinnig: für wie plausibel oder wahrscheinlich man die Entführung hält, hangt stark davon ab, wie risikofreudig der Täter eben war. Das weiß man aber natürlich nicht, da der ja unbekannt ist. Andererseits, wenn der Täter irgendeinen Bezug zur Ferienanlage hatte, hätte der seine Anwesendheit auch einfach erklären können: das Kind ist aufgewacht und ich wollte es zu seinen Eltern bringen ... das eigentliche Risiko hätte dann erst auf der Straße angefangen ...
Allgemein betrachtet ist schon klar, dass Straftäter im allgemeinen sehr häufig (wenn nicht sogar immer) Risiken eingehen, die nicht in einem rationalen Verhältnis zum Nutzen der Tat stehen. Der Nutzen der Tat ist aber bei einem "Triebtäter" ohnehin schwer rational einschätzbar und insofern führt dieses Argument meines Erachtens auch eher ins Leere.



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Re: Der Fall als solcher

Beitrag von pfiffi am Mi Sep 18, 2013 8:21 am

Was spricht, so der neue User summacum soeben in einem Telefonat mit mir (er wird sich hier gleich noch selber mit interessanten Aspekten einschalten), denn für eine Entführung/Abgreifen durch einen Fremdtäter?

Die Beobachtung Tanners (die aber ein ganz anderes, hier irrelevantes Kind beobachtet haben kann - was von den Beobachtungen der tapas-seven überhaupt zu halten ist, sagten wir ja schon...im Zweifel nicht sehr viel, Tanner hat Detailaspekte ihrer Aussage mehrfach revidiert). Ansonsten mau. ich fand Amarals Beleg dafür, dass bei einem Entführungsszenario Spuren hätten gefunden werden müssen, die eben nicht gefunden worden sind, überzeugend.

Was sonst?

Die allgemeine kriminalistische Erfahrung?

Ja. natürlich werden Kinder leider immer wieder abgegriffen/entführt, um ihnen dann Gewalt anzutun.

Die kriminalistische Erfahrung spricht aber genau so gut für die andere Variante: dass Kinder verunfallen/zu Tode kommen/im Affekt erschlagen werden, weil die Eltern überfordert sind, sie daraufhin die Leiche entsorgen wollen und eine Entführung vorgaukeln...auch das hat es schon gegeben, mehrfach. Ist nur eben meistens sehr schnell aufgeflogen.

Wenn Unfall/Totschlag/Vertuschung zutrifft, müssen die McCanns ein starkes Motiv gehabt haben, die Leiche verschwinden zu lassen. Ein Unfall "allein" ist  zwar bitter, schlimm, entsetzlich, aber nichts, was bereits zur Vertuschung veranlasst. Ergo: Totschlag im Affekt...oder eben die Angst, dass bei einer Autopsie (darüber, was dort passiert, waren die beiden Mediziner vorzüglich informiert) zB die Beruhigungspillen ruchbar wurden.

Ich habe auch noch mal nachgedacht, ob all das, was die McCanns, ihre "Täterschaft" unterstellt, im nachhinein abgezogen haben - Medien, Papst, Besuch bei Laura Bush, Telefonate mit Cameron etcetc - wirklich zu monströs ist und dieses Szenario somit a fortiori als unplausibel auszuschließen wäre. Nun, wenn ihnen eine gute Portion histrionischer Komponenten eignet, ist das ggfls eben doch nicht auszuschließen.

Und angesichts des Tohuwabohus in jener nacht, plus Alkohol, weiß ich nicht einmal sicher, ob die Tapas-Seven wirklich kooperieren mussten.

Just my 2 cents, ich weiß noch nicht, wohin es mich "treibt", aber die (wohl unstreitig) fehlenden Einbruchspuren sind schon  ein starkes Indiz.

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Re: Der Fall als solcher

Beitrag von pfiffi am Mi Sep 18, 2013 8:39 am

Aberdeen schrieb:Konsequent und alle 30 Minuten bei den von Dir geposteten Mengen Alkohol? Weiß ich nicht, ob sich da nicht doch jemand mal in angeregter Runde festgequatscht hat und die Intervalle vielleicht doch nicht so eingehalten wurden. Ich glaube, hier war von Anfang an hoher Rechtfertigungsdruck auf alle Beteiligten Eltern vorhanden. Um es mal sehr klar und hart zu formulieren: natürlich lässt man seine kleinen Kinder in einer fremden Umgebung nicht alleine. Denn auch eine halbe Stunde nächtliches Erwachen in einem fremden Hotelzimmer ist für ein kleines Kind alles andere als schön. Bitte nicht mißverstehen, ich will hier gar nicht den moralischen raushängen lassen, aber natürlich hätte sich einer von den Neun für die Kinderbetreuung opfern müssen.
Absolut, natürlich.

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Re: Der Fall als solcher

Beitrag von summacum am Mi Sep 18, 2013 8:48 am

Bei solchen spekulativen Fällen gilt immer: Man muß die Gegenthese stark machen und überlegen, wie das geht. Also: Was sind starke Argumente FÜR eine Entführung? Da ist die Zeugenaussage der Tapas-Freundin. Da ist... und das war es dann auch schon. Der Rest ist Unschuldsvermutung gegenüber dem Ehepaar McCann und die Unmöglichkeit, diese sozial so angesehenen Ärzte als Täter respektive Vertuscher eines Unfalls sich vorzustellen.
Gerade hier kann ich einhacken, da selber Arzt. Der Karrieredruck in unserem Fach ist immens. Derjenige, der nicht durch Kindergenerve, zweibeinige, nächtliche Ruhestörungen und Kitaschließzeiten gehandicapt ist, hat bei der Karriereplanung massive Vorteile. Jeder weiß das. Ich selbst habe mehrfach im Kollegenkreis mitbekommen, wie mit den nächtlich schreienden Karriereblockern verfahren wird. Da ist die Verführung zum H1-Blocker sehr groß, also zum müde machenden Antihistaminikum..... und ich weiß dinglich, dass Ärzte und Ärztinnen diese Mittel bei ihren Kindern anwenden. Das von den McCanns zugegebene Paracetamol ist ein reines Schmerzmittel und ergäbe nur bei chron. Schmerzen Sinn. Die Vermutung, sie haben Antihistaminika zur Schlaferleichterung gegeben, ist absolut plausibel.
Daher die Frage: Gibt es Zeugenaussagen bezüglich möglicherweise katastrophaler Zubettbringsituationen bei den McCanns (hier spricht der mehrfache Vater aus eigener, leidvoller Erfahrung. Man will zum Wein, will zu den wartenden Freunden und die Kleinen machen einfach nicht mit).

(Einschub: Ich selbst hatte vor ca. 14 Jahren einmal ein Gehirn eines totgeschüttelten Kindes zu untersuchen. der Vater war Neonatologe (sic!) an der Uniklinik auf einer Katapultstellung - das Katapult musste nur noch zünden, oder eben nicht. Die Konkurenz um den Startplatz am Katapult war stark.... und dann schrie der Kleine nach dem Nachtdienst, und schrie und schrie.... ach, hätte er mal nur Antihistaminika gegeben...aber er hat eben die alte, handfeste Methode benutzt. "In seinen Armen, das Kind war tot". Ein Arzt, ein Kinderarzt gar schlägt sein Kind tot. So etwas gibt es.)

Also: Sich hier unter Karrieredruck pharmakologische "Linderung" zu verschaffen, das ist absolut nicht unplausibel. Zumal die drei Kinder der McCanns ja eng beieinander geboren waren, also Mehrfachbelastung zu vermuten ist.

Was allerdeings natürlich kein Beweis ist. Nur trifft die Vermutung, die McCanns hätten überhaupt kein Motiv eben nicht zu.

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Re: Der Fall als solcher

Beitrag von pfiffi am Mi Sep 18, 2013 8:59 am

Es gibt noch einen Aspekt des Falls: Der massive auch politische Druck, der hier ausgeübt worden sein muss und der eine ganz bestimmte Tendenz beinhaltete. Das führt nach aller Lebenserfahrung nicht zu einer unvoreingenommenen Untersuchung. Ich finde Chris Freinds Kolumne Delaware County DailyTimes, 9. Juli 2013 (nachdem Scotland Yard auf politischen Druck hin die Ermittlungen wieder aufnahm und inzwischen ja auch ichweißnichtwieviele "suspects" identifiziert haben wollte) sehr gut: http://www.mccannfiles.com/id447.html
Freind schrieb:The headlines all read that Maddy was kidnapped, yet there is no evidence — none — of that.

It seems increasingly clear that McCann case is no longer about what happened to a little girl, but an attempt — some say cover-up — to absolve "upstanding Brits" of any responsibility, conveniently blaming Portugal, the poor man of Europe, for a botched investigation and overall ineptness.

Looking past the gushing pro-McCann headlines, many the world over believe the parents, accidentally or otherwise, were directly responsible for Maddy's fate. I certainly cannot make that claim, though Gerry and Kate would seem to be guilty of child endangerment. That said, there remain inconsistencies which, to this day, remain unanswered.

Therefore, if Scotland Yard wishes to retain its legendary reputation, it needs to investigate the case from Square One, objectively, free from outside influence. No sacred cows, and no one off the table. And the only way to do that is to start with Gerry and Kate, (and their friends who accompanied them that fateful night), forcing the parents to answer tough questions.
Freind spielt zwar auch die Steuerzahler-Karte, was mir missbehagt. Aber natürlich hat er ansonsten Recht. Alles auf Null. Und her mit der Tatnachtrekonstruktion!

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Re: Der Fall als solcher

Beitrag von Aberdeen am Mi Sep 18, 2013 7:40 pm

Was den Karrieredruck angeht, so gilt das ja nur, wenn man die auch machen will; ansonsten ist da für Mediziner gerade zur Zeit in Deutschland wohl eher wenig Druck ... wie das in 2007 in UK aussah, bliebe noch zu prüfen.
Die Vergabe von Medikamenten an die eigenen Kinder ohne entsprechende medizinische Indikation wäre in jedem Fall ein schwerer Kunstfehler, der wohl im Zweifelsfall möglicherweise auch zur Verlust der Approbation führen könnte.

Neben der Aussage der Tapas-Freundin gibt es eine entsprechende weitere Sichtung in Tatortnähe "Mann-mit-schlafendem-Kind"; siehe weiter oben den Beitrag von pfiffi.

Natürlich kommen solche Kindesentführungen vor. Man darf m. E. dabei auch das Bedürfnis der Menschen nach erklär- und verstehbar der Welt nicht unterschätzen. Die Vorstellung, dass ein Kind quasi fast aus der Mitte der Eltern und aus einem Urlaubsidyll entführt wird und die Eltern sowie die Polizei machtlos dagegen sind, löst wahrscheinlich massive Ängste vor der Unkontrollierbarkeit der Welt aus. Da ist es bei solchen Fällen gewissermaßen ein guter Ausweg, die zu beschuldigen, die gerade da sind. Und das sind nunmal die Eltern. Die McCanns verhalten sich netterweise auch ein wenig merkwürdig, so dass sich für weitere Verdächtigungen sozusagen noch empfehlen.
Welche Beißinstinkte da noch alles eine Rolle spielen, Stichwort: arrogante Briten, lasse ich jetzt mal dahin gestellt.




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Re: Der Fall als solcher

Beitrag von pfiffi am Mi Sep 18, 2013 10:44 pm

Gut, dass Du den advocatus diaboli pro Entfürhungsszenario machst, Aberdeen, dann ich will ich weiterhin den pro vertuschungs- Szenario machen; anders kommen wir ja nicht voran. Der Fall hat mich jetzt gepackt; ich habe mir Kate McCanns, Amarals und Proussas Bücher bestellt.

Hier einige Punkte:

a) die Aussage tapas-Seven wird von den Servicekräften widerlegt: Die haben, so die Mitarbeiter, mitnichten strikt alle halbe Stunde geguckt. Wobei ich derzeit selber im Catering arbeite und sagen muss: Wie voll war die tapas-Bar an dem Abend? Wenn viel zu tun war, ist auch die Aussage der Catering-Kräfte wenig Wert. (Die der vermutlich alkoholisierten Tapas-Gang ist es aber auch nicht)

b) nachweislich hat Tanner ihre Aussage "Sichtung Mann mit Kind" mehrfach korrigiert/verändert. Erst wars ein Mann mit längerem Haar hinten, dann hat sie - absurd - den Verdächtigen Murat "wiedererkannt", inzwischen sagt sie aus, dass das Kind - wie passend! - irgendwie ein pinkfarbenes Schlafteil trug. Welchen Wert hat solch eine Aussage einer Zeugin, die ggfls zum Zeitpunkt der Beobachtung auch noch alkoholisiert war?

c) nachweislich war die zweite Sichtung so, dass die - wie passend! - irische Familie zunächst, ohne Belastungseifer, aussagte, der Mann habe Gerry McCann ein wenig geähnelt, sicher seien sie sich nicht. (Wenn ich diesen Punkt richtig erinnere) Nachdem der Fall hochkochte, inklusive Einfluß durch die britische Regierung, die den McCanns, sehr ungewöhnlich für einen Kriminalfall, einen PR-Berater vermittelte (sic!), wurde die Sichtung immer unklarer. Der Weg des Mannes mit Kind bei dieser zweiten Sichtung führte an den Strand. (haben die dort Ebbe und Flut, wenn ja: wie waren die Gezeiten?)

d) nachweislich haben die McCanns ihren Kindern Medikamente gegebn. Sie sagen heute: Paracetamol gegen Schmerzen. Ursprünglich klang es anders (der Großvater scheint sich verplappert zu haben). Der Punkt ist ungeklärt.

e) nachweislich enthielt das Apartment keine Spuren eines Einbrechers; das geöffnete Fenster - am Vortag gereinigt - enthielt nur Kate McCanns Fingerprints. Kate McCann hat nachweislich auf dieses geöffnete, vorher angeblich geschlossene Fenster hingewiesen und von dort her relativ sofort eine Entführung abgeleitet.

f) nachweislich weigern sich die Tapas-Seven sowie die McCanns, an einer Tatnachtrekonstruktion mitzuarbeiten. Wieso denn? Ich dachte, es ginge darum, Madelaines Schicksal aufzuklären?

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Re: Der Fall als solcher

Beitrag von pfiffi am Mi Sep 18, 2013 11:16 pm

g) bei den von den Wau-Waus aufgetriebenen Spuren hingegen bin ich mir im Unklaren. Was belegen sie, was bedeuten sie? Wie ist die Untersuchung des aufgefundenen Materials zu bewerten (15 von 19 Alelen identisch)? Hier müssen Expert/inn/en ran.

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Re: Der Fall als solcher

Beitrag von Aberdeen am Do Sep 19, 2013 12:04 am

Auf denne, also:

a) - c) berühren doch die Problematik von Zeugenaussagen allgemein;

Selbst wenn niemand einen Entführer gesehen hat, heißt das nicht, dass es ihn nicht gab, sondern nur, dass ihn niemand gesehen hat.

d) Kennt sich denn der Großvater gut aus? Was sagt denn der Obduktionsbericht zu dieser Thematik?

e) Welche Spuren würde man denn erwarten?

f) Dafür mag es ja ganz unterschiedliche Gründe geben. Und sei es nur, nicht noch einmal an diesen Ort zurückkehren zu müssen, wenn es sich vermeiden lässt. Der Nutzen dieser Rekonstruktion will sich mir auch nicht ganz erschließen.

g) Das ist meines Erachtens u. U. ein zunehmendes Problem. Durch die Verfeinerung der kriminalistischen Methodik wird es zwar immer leichter möglich Spuren zu finden, aber das hilft dann bei der Interpretation nun so überhaupt nicht weiter.

Am Atlantik gibt es natürlich einen Gezeitenwechsel ;-)

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